27. Mai 2014

Neues Rentenpaket – Gesetz verabschiedet

Am 23. Mai 2014 hat der Bundestag das Gesetz zum neuen Rentenpaket verabschiedet, das damit am 01. Juli 2014 in Kraft tritt. Größte Veränderungen: Die abschlagsfreie Rente mit 63 und die verbesserte Mütterrente.

In unserem Blogbeitrag klären wir die wichtigsten Fragen zum neuen Rentenpaket:

Was beinhaltet das neue Rentenpaket genau?
Das Rentenpaket besteht grundsätzlich aus 4 Teilen:
  1. der abschlagsfreien Rente ab 63,
  2. der verbesserten Mütterrente für vor 1992 geborene Kinder,
  3. der Verbesserungen bei Erwerbsminderungsrente und
  4. der Erhöhung der Reha-Leistungen.
Was heißt eigentlich „abschlagsfreie“ Rente mit 63?
Wer seine Rente vor der für ihn maßgeblichen angehobenen Altersgrenze in Anspruch nehmen möchte, muss mit einem Abschlag in Höhe von 0,3 % pro Monat rechnen (pro Jahr 3,6 %). Dieser Abschlag musste bis jetzt auch von Arbeitnehmern bezahlt werden, die (vorzeitig) mit 63 Jahren in Rente gingen.

Wer hat Anspruch auf abschlagsfreie Rente ab 63?

Allgemein
Einen Anspruch auf den vorgezogenen Ruhestand ohne Abschlag haben alle, die 45 Jahre lang Beiträge zur Rentenversicherung bezahlt haben und mindestens 63 Jahre alt sind. Dies gilt für alle vor dem 01. Januar 1953 geborenen Personen. Danach kommt folgende Staffelung zum Tragen, wann man abschlagsfrei in Rente gehen kann – wohlgemerkt unter der Voraussetzung, dass man 45 Jahre lang Beiträge zur Rentenversicherung bezahlt hat:

Geburtsjahr Möglicher Rentenbeginn
vor 1953 63 Jahre
1953 63 + 2 Monate
1954 63 + 4 Monate
1955 63 + 6 Monate
1956 63 + 8 Monate
1957 63 + 10 Monate
1958 64 Jahre
1959 64 + 2 Monate
1960 64 + 4 Monate
1961 64 + 6 Monate
1962 64 + 8 Monate
1963 64 + 10 Monate
ab 1964 65 Jahre

Folgende Staffelung des regulären Rentenbeginns kommt zum Tragen, wenn man weniger als 45 Jahre lang Beiträge zur Rentenversicherung bezahlt hat:

Geburtsjahr Möglicher Rentenbeginn
vor 1949 65 + 3 Monate
1950 65 + 4 Monate
1951 65 + 5 Monate
1952 65 + 6 Monate
1953 65 + 7 Monate
1954 65 + 8 Monate
1955 65 + 9 Monate
1956 65 + 10 Monate
1957 65 + 11 Monate
1958 66 Jahre
1959 66 + 2 Monate
1960 66 + 4 Monate
1961 66 + 6 Monate
1962 66 + 8 Monate
1963 66 + 10 Monate
ab 1964 67 Jahre

Selbständige
Durch das neue Gesetz können nun auch Selbständige die Rente mit 63 bekommen, wenn sie 18 Jahre lang Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung bezahlt haben und anschließend freiwillige Beiträge zur Rentenversicherung. Auch für Selbständige gilt: Sie brauchen insgesamt 45 Versicherungsjahre in der Deutschen Rentenversicherung.

Nebenverdienst
Wird die Rente mit 63 beantragt, gilt eine Hinzuverdienstgrenze von 450 Euro im Monat. Der Betrag darf zwei Mal im Jahr doppelt so hoch, also 900 Euro.

Was wird bei der abschlagsfreien Rente ab 63 angerechnet?
  • Kindererziehungszeiten
  • Wehr- und Zivildienst
  • Zeiten, in denen man Arbeitslosengeld 1 bekommen hat (sog. Kurzzeitarbeitslosigkeit)
  • Pflege von Familienangehörigen
  • Zeiten mit Bezug von Insolvenzgeld

Was wird bei der abschlagsfreien Rente ab 63 nicht angerechnet?
  • Erhält man in den letzten 2 Jahren vor der Rente Arbeitslosengeld 1, wird diese Zeit nicht angerechnet (gilt auch für Selbständige). So soll eine Frühverrentungswelle verhindert werden.
  • Zeiten, in denen man Arbeitslosengeld 2 (Hartz IV ) erhält
  • Zeiten, in denen man Sozialhilfe empfängt
  • Zeiten, in der Arbeitslosenhilfe bezogen wird

Was bedeutet verbesserte Mütterrente genau?
Durch das neue Rentenpaket werden die Erziehungszeiten für Kinder, die vor 1992 geboren wurden, stärker berücksichtigt. Bisher wurde hier ein Jahr Kindererziehungszeit berücksichtigt, ab dem 1. Juli 2014 wird für alle Mütter oder Väter, deren Kinder vor 1992 geboren wurden, ein zusätzliches Jahr mit Kindererziehungszeiten angerechnet.

Was bedeutet verbesserte Erwerbsminderungsrente genau?
Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage ist, mindestens 6 Stunden pro Tag zu arbeiten, kann einen Antrag auf eine Erwerbsminderungsrente stellen. Bislang wurde im Fall einer Erwerbsminderungsrente so getan, als hätte der Arbeitnehmer noch bis zum Vollendung des 60. Lebensjahr weitergearbeitet. Neu ist bei einem Antrag auf Erwerbsminderungsrente ab dem 1. Juli, dass zur Berechnung der Rentenhöhe eine theoretische Arbeitszeit bis zum vollendeten 62. Lebensjahr zugrunde gelegt wird – also 2 Jahre länger als bisher. Das macht ein Plus von etwa 40 Euro brutto monatlich aus.

Was bedeutet Erhöhung der Reha-Leistungen genau?
Das sog. Reha-Budget (Leistungen der Rentenversicherung für medizinischen/berufliche Rehabilitation) wird beginnend im Jahr 2014 auch von der demografischen Entwicklung abhängig gemacht (zusätzlich zur Lohnentwicklung). Das Reha-Budget wird bis 2017 auf knapp 250 Millionen erhöht. Danach wird diese zusätzliche Erhöhung des Reha-Budgets wieder abgebaut.

Was muss der Arbeitnehmer beachten?
  • Für die abschlagsfreie Rente mit 63 sollte man sich zuallererst bei der Deutschen Rentenversicherung beraten lassen und alle Versicherungszeiten klären.
  • Für die abschlagsfreie Rente ab 63 muss ein Antrag beim Rententräger gestellt werden.
  • Zeiten, in denen man Sozialhilfe empfängt
  • Für die verbesserte Mütterrente muss kein Antrag gestellt werden.

Wo finde ich weitere Hilfe?

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